Unser Hof

Entstehung des Hofs

Viele mögen sich fragen: Wie kommt man eigentlich zu einem Tier-Schutzhof? Manchmal ergibt sich so etwas “einfach so“ - sofern die Voraussetzungen stimmen. Angefangen hat alles mit “Flitschemännchen”. Flitschemännchen war, als es aufgenommen wurde, ein kleines, halb totes Stockentenküken, das die Hofbetreiberin einigen jungen Burschen abgeschwatzt hatte, die es gegen einen Baum werfen wollten. Das Entenkind erholte sich unerwartet schnell, lebte später am Teich auf der heimischen Wiese und brütete im nächsten Frühjahr ein Gelege mit vier Eiern aus. So kamen vor vielen, vielen Jahren die Halb- Wildenten auf das Gelände, deren Nachkommen sich immer noch hier herumtreiben und versorgen lassen. Mal sind es mehr, mal weniger.

Zur Zeit von “Flitschemännchen” kam auch die “große Eselei“. Von Freunden wurde die Hofbetreiberin gefragt, ob sie nicht vorübergehend eine junge Not-Eselstute aufnehmen könne. Ein ihr entfernt bekannter Eselliebhaber hatte aus Tierschutzgründen eine vermutlich aus England stammende Eselherde aufgekauft und suchte nun Pflegeplätze. “Warum eigentlich nicht? “ fragte sich die Tierliebhaberin. Ein Stall war vorhanden, denn die Schafe und Zwergziegen waren inzwischen an Altersschwäche gestorben.
Elfi, ein graues Langohr mit Halsstrich und Mehlmaul, war, ohne dass es jemand bemerkt hätte, schwanger, als sie eintraf. So wurde im darauf folgenden Frühjahr Moritz geboren - ein schwarzes Fohlen mit Kakaomaul.

Wenige Monate später bekamen Elfi und Moritz Gesellschaft von Heidi, einem kleinen, uralten, grauen Langohr von zarter, südländischer Gestalt, das irgendjemand irgendwem abgekauft oder abgeluchst hatte und das nun einen Platz für seine letzten Tage suchte. Also wurden die Stallungen erweitert, ein Paddock angelegt und die Weide unterteilt. Heidi hatte auf dem Hof noch vier schöne Jahre. Kurz nach Heidis Tod wurde Elfis Sohn Moritz sehr krank und starb im folgenden Winter in noch sehr jungendlichem Alter.

Nach dem Tod ihrer beiden Gefährten verfiel Elfi in tiefe Depression. Sorgfältig haben die Verantwortlichen überlegt, welches der beste Weg wäre, Elfi wieder Lebensmut zu geben. Ein Artgenosse musste her, das war klar. Klar war inzwischen auch, dass nur Nottiere auf dem Hof einen Platz haben sollten. Eile war geboten, und es musste gewährleistet sein, dass Elfi ihren neuen Partner mochte. Durch einen Eselverein bestand inzwischen ständig Kontakt zu Noteseln. So hielt ein braungescheckter Hengst mit weißer Stirnlocke, der in schlechten Verhältnissen aufgewachsen und daher sehr scheu war, Einzug bei Elfi. Obwohl wir grundsätzlich gegen Tiervermehrung sind, ist in diesem Falle bewusst das Risiko auf Nachkommen eingegangen worden. Als erkennbar wurde, dass Hengst und Stute für einander Sympathie empfanden, ein Fohlen also für Elfis Wohlbefinden entbehrlich war, wurde Pierrot, sobald es die Witterung zuließ, zum Wallach gemacht. Trotzdem stand im darauf folgenden Frühling ein kleiner Grauschecke, Emil, auf der Weide. Damit war die Eselfamilie komplett. Und der Tier- Schutzhof etabliert.

Neben den Eseln leben auf dem Hof eine Vielzahl von Katzen, einige große Hunde und verschiedene Hühner- und Wasservögel, allesamt alte, kranke, gestörte, missachtete Geschöpfe, die eine dauerhafte Bleibe suchten. Kleintiere, hauptsächlich Kaninchen und Meerschweinchen, werden im Haus eines Vereinsmitgliedes gesondert betreut.

 

Die Arbeit

All diese Lebewesen zu pflegen und artgerecht zu versorgen, bedeutet neben aller Freude auch Arbeit von frühmorgens bis spätabends. Allein die Mengen an Futter und Einstreu heranzuschaffen, die benötigt werden, ist ein Kraftakt für sich. Die Esel “nur einfach auf die Weide stellen”, reicht nicht. Als Zufütterung brauchen sie täglich Raufutter, täglich müssen die Trinkbottiche mit Frischwasser befüllt und Ställe, Wiese und Paddock gereinigt werden. Das Äußere der Tiere muss gepflegt werden: Fellpflege, Hufpflege, Gesichtspflege. Und: die Tiere brauchen Zuwendung und Beschäftigung.

"Kann man Esel auch reiten?" ist eine häufige Frage, die wir hören. Antwort: Man kann, aber man sollte es nach unserer Auffassung nicht tun. Wir sind der Überzeugung, dass alle Geschöpfe gleichwertig sind. Wir halten nichts von der gekrönten Sonderrolle des Menschen, wie sie üblicherweise ausgelegt und gelebt wird. Insofern, meinen wir, steht es dem Menschen nicht an und nicht zu, sich auf den Rücken eines Tieres zu setzen - eine Geste, die die Beherrschung des Tieres durch den Menschen symbolisiert.

Auch Hunde und Katzen, ja selbst die Hühner hinterlassen Dreck, der täglich beseitigt werden muss. Viele dieser Tiere sind chronisch krank und müssen regelmäßig mit Medikamenten versorgt werden. Die routinemäßige tägliche Fütterung macht bei all dem den geringsten Teil der Arbeit aus. Viel Einsatz und Mühe verursachen auch die Instandhaltungsarbeiten: Stallungen müssen gestrichen und Zäune repariert werden, neue Behausungen errichtet und alte abgerissen werden und vieles mehr.

Obwohl die artgerechte Haltung und Versorgung der Hofbewohner das Schwergewicht unserer Bemühungen bildet, möchten wir unsere Arbeit nicht drauf beschränken. Besonders am Herzen liegt uns der Katzenschutz. Im Rahmen unserer Möglichkeit tragen wir dazu bei, dass möglichst viele Katzen, gerade auch so genannte Streunerkatzen, kastriert werden, damit das unendliche Leid der wilden oder verwilderten Katzen eingedämmt wird. Für heimatlose Tiere, die bei uns aufgenommen werden, versuchen wir, sofern sie vermittlungsfähig sind, ein liebevolles Zuhause zu finden. Da uns das Wohlergehen aller Tiere wichtig ist, sind wir bestrebt, auch den in unserem Bereich lebenden Wildtieren, wie verschiedenen Vogel- und Mäusearten, Igeln, Mardern, Teichmolchen und anderen Kleintieren einen angemessenen Lebensraum zu bieten.

Neben dem praktischen Tierschutz versuchen wir, Aufklärungsarbeiten in der Bevölkerung, insbesondere bei Kindern, zu leisten, um, wie es in unserer Satzung heißt, “bei den Menschen Verständnis und Achtung für das Mitgeschöpf Tier” zu wecken. Wir geben Kindern auf unserem Hof die Möglichkeit, ihre Zuneigung zu Tieren zu pflegen oder anerzogene Ängste abzubauen. Wir möchten junge Menschen zu einem respektvollen Umgang nicht nur mit Tieren, sondern mit der gesamten Natur anleiten. Daher suchen wir den Kontakt zu Kindergärten und Grundschulen, die unser Angebot in der Regel gerne annehmen.