Refugium für Tiere in Not e.V.

Tierschutzhof am Schellenberg

Rum.

Als Rumy im Sommer 2011 zu uns kam, betrug er sich wie ein irrer Derwisch, er war nicht zu bändigen, hektisch, bindungslos, immer in „Hab-Acht-Stellung“ , extrem freiheitsliebend, eher wie ein Wildtier, ein Dingo oder ähnliches. Wir wussten gar nicht, wie und wo wir ihn halten sollten. In der ersten Nacht hat er uns die Wasserleitung aus der Wand gerissen und den halben Keller überflutet, weitere „Scherze“, z.T. lebensgefährlich für ihn selbst oder andere, folgten.
Aber was hatte dieser „arme Kerl“ auch für eine Biografie hinter sich!

Im Sommer 2010 halbtot, dehydriert und von Leishmaniose gezeichnet in den Weinbergen Sardiniens aufgefunden; mit viel Liebe und Einsatz auf verschiedenen Pflegestellen des einheimischen Tierschutzes gesund gepflegt; schließlich in einer privaten kostspieligen Hundepension untergebracht, wo er acht Monate nur im Zwinger gelebt und sich aus Frust und Verzweiflung die Zähne an den Gitterstäben abgenagt hat.

Da Rumys Freiheitsdrang grenzenlos war, musste an der neuralgischen Grundstücksgrenze möglichst schnell ein geeigneter Zaun her: 40 Meter Stahlmatte, 1,60 m hoch. Rumys Bewegungsdrang musste sich mit 3000 Quadratmetern begnügen. Die Spaziergänge waren anfangs immer ein waghalsiges Abenteuer: Rumy war nur auf Spuren fixiert, blind und taub für jegliche Einwirkungsmöglichkeit, Artgenossen waren ihm unheimlich, und er ging bei allen, egal ob Hündin, Rüde oder Welpe, sofort in Kampfposition. Menschen hat Rumy schon immer gern gemocht, aber er verteilte seine Zuneigung wahllos.

Nichts war wichtiger für unseren Wildling als Bindungen zu entwickeln – an bestimmte Menschen und Örtlichkeiten, an einen bestimmten Tagesrhythmus. Es war nicht immer einfach, Rumy mit den Gepflogenheiten des Hofes vertraut zu machen. Aber schließlich ging seine Sozialisierung schneller, als zunächst vermutet.

Inzwischen ist aus dem wilden Rumy ein ganz wunderbarer Hund geworden. Mit den anderen Tieren des Hofes, ob es die Katzen, die Hühner oder die Esel sind, lebt er heute in einträchtiger Gemeinschaft. Dank seiner Zuneigung zu Menschen hat er schnell enge Bindungen zu den auf dem Hof lebenden und arbeitenden Personen entwickelt. Da er schnell begreift und eifrig zur Hundeschule gegangen ist, hat er rasche Fortschritte gemacht. Bereits nach zwei Wochen war er an Haus und Wohnung gewöhnt, so dass er auch zum Schlafen gerne zu uns kam. Nach gut drei Monaten war er so weit, dass er bei den ausgedehnten Spaziergängen frei laufen konnte. Es braucht nur fünf, sechs Kommandos, um ihn wie an einer unsichtbaren Leine zu führen. Bei Hundebegegnungen muss er zwar noch kurz angeleint werden, aber er macht „Sitz“ und verhält sich völlig ruhig.

Rumy, auch liebevoll „Krümelchen“ genannt, ist ein muskulöses Kraftpaket mit ängstlichem Gemüt und ein „Ranschmeißer“, der von jedem Menschen Schmuseeinheiten einfordert. Rumy liebt immer noch die große Freiheit, aber noch mehr sein Bett, und zwischen deutschen Rübenfeldern findet er es heute genau so interessant wie ehemals in den sardischen Weinbergen.

So lieben wir ihn.

Und wenn er anders wäre, ebenso.
Update 06.07.2012: Rumy mit Nora und Sputty in der Abendsonne auf dem Hof.

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